Die Ungewissheit nagt an den Flüchtlingen

14. September 2015

Die SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal und Volkmar Halbleib und SPD-Stadtratsmitglieder zu Besuch in den Würzburger Notunterkünften

2015 09 14 Notunterkünfte Flüchtlinge Stadträtin Laura Wallner, MdL Georg Rosenthal, MdL Volkmar Halbleib, Sozialpädagoge Kilian Bundschuh, Stadtrat und SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Kolbow sowie Siegfried Scheidereiter von der Stadt in der Kürnachtalhalle

Wie geht es weiter? Wie ist der Stand ihres Asylverfahrens und wann können die Familien nachkommen? Es ist die Ungewissheit, die an den 170 Flüchtlingen nagt, die seit etwa zwei Wochen in einer Notunterkunft zur Erstaufnahme in der vorderen Zellerau untergebracht sind. Die Gerüchteküche ist kräftig am Brodeln. Manche halten schon stolz ihre Aufenthaltsgestattung in der Hand. Immer wieder dürfen einige weiter in eine dezentrale Unterkunft. Andere warten noch ungeduldig. Rasch spricht sich herum, dass Politiker zu Besuch sind. Kaum betreten sie das Zelt, bildet sich eine Menschentraube junger Syrer. Mitten drin: Die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal und Volkmar Halbleib, und die SPD-Stadtratsmitglieder Stadträtin Laura Wallner und der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Kolbow. Ein etwas älterer Mann vermittelt. Mit Yener Yildirim, einem Mitarbeiter der Regierung, begleitet ein gebürtiger Türke, der fließend Arabisch spricht, die Besuchergruppe.

„Noch sind die Fernsehbilder von der euphorischen Begrüßung der Neuankömmlinge an den Bahnhöfen präsent“, weiß der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal. Er warnt jedoch davor, dass rasch Ernüchterung eintritt. „Wir müssen daran arbeiten, dass die Stimmung bei den Flüchtlingen und in der Bevölkerung nicht kippt“, sagt er. „Es gibt viele Ehrenamtliche, die nicht nur von Willkommenskultur reden, sondern sie auch leben und vieles auffangen“, freut sich Volkmar Halbleib. Viele kennt der frühere Oberbürgermeister von Würzburg, Georg Rosenthal, noch von früheren Aktionen oder der Arbeit in der großen Gemeinschaftsunterkunft persönlich. Begleitet wurde die Gruppe von der Flüchtlingsunterstützerin und Herausgeberin des Flüchtlingsmagazins „Heimfocus“ Eva Peteler.

Dass die Unterbringung in einem Notzelt im Herbst hierfür alles andere als ideal ist, bezweifelt keiner. Auch die Verantwortlichen der Regierung sehen dies so. Dass jedoch auch nach zwei Wochen noch immer nicht feststeht, bis wann die von der Regierung zugesagten, festen Wohnmodule stehen, ist nur schwer zu verstehen: „Da muss sich möglichst schnell was tun. Woanders geht das doch auch“, kritisiert etwa Stadträtin Laura Wallner. Von ehrenamtlichen Helfern hat sie erfahren, dass sie bereits jetzt morgens dicke Jacken benötigen.

Die freiwilligen Helfer unterschiedlicher Helfergruppen fühlen sich von der Regierung alleine gelassen. „Die haben offensichtlich Schwierigkeiten, überhaupt einen Ansprechpartner zu finden“, hat Stadträtin Laura Wallner von Helfern erfahren. Ohne professionelle Unterstützung geht es nicht, sind sie sich einig. Die Regierung zeigt mit dem Finger auf die Stadt. Dort gibt es zwar einen Ehrenamtskoordinator, der ist jedoch nur einmal in der Woche in der Unterkunft in der Zellerau und noch dazu für sämtliche Ehrenamtliche im Stadtgebiet zuständig.

Zwar sorgt die Regierung für die Versorgung mit Lebensmitteln mit Lunchpaketen gesorgt, es gibt einen Sicherheitsdienst und eine Hausverwalterin. Doch es fehlt an grundlegendem. Es fehlt an klaren und verbindlichen Informationen, an einem Betreuer, der den ständig wechselnden Flüchtlingen Rede und Antwort steht. Eine psychologische oder pädagogische Betreuung findet nicht einmal ansatzweise statt. Auch Übersetzer, die mit den Sorgen und Nöten der Flüchtlinge vertraut sind, werden dringend gebraucht.

Besser löst dies die Stadt, die in der Kürnachtalhalle im Stadtteil Lengfeld eine weitere Notunterkunft eingerichtet hat, hat der Fraktionsvorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Alexander Kolbow, beobachtet: „Es gibt keinen Zaun, die Atmosphäre ist deutlich entspannter.“ Mit Kilian Bundschuh gibt es einen erfahrenen Sozialpädagogen, der immer vor Ort ist. Eine ebenso wie er interkulturell erfahrene Kollegin unterstützt ihn zeitweise. Auch plant die Stadt, ihr Personal vom Hausmeister bis zum Sozialarbeiter weiter aufzustocken. „Die Regierung sollte Verantwortung übernehmen und nicht die soziale Betreuung allein auf die Kommunen abwälzen“, kritisieren beide SPD-Stadtratsmitglieder.

Noch gilt es, vor allem die Probleme des Tages zu klären. So sind etwa Feldbetten oder Bauzäune, die in den Unterkünften für ein Minimum an Privatsphäre sorgen sollen, nur noch schwer zu bekommen. Doch schon jetzt ist es nötig, weiterzudenken, sind sich die SPD-Politiker einig. Vielfach kommen erst nach Monaten die Folgen von Trauer, Missbrauch oder Heimweh zum Vorschein. Auch dürfen die Flüchtlinge mit einer gültigen Aufenthaltsgenehmigung schon nach drei Monaten arbeiten. Nicht in allen Fällen wird der Übergang in eine Lehre oder den Arbeitsmarkt jedoch einfach vor sich gehen. „Die Sprache ist der Schlüssel für alles“, weiß Rosenthal und warnt davor, frühere Fehler mit den völlig unterfinanzierten Integrationskursen des BAMF zu wiederholen. „Es geht nun darum, die Euphorie und den Elan der Neuankömmlinge in eine ruhige und reibungslose Integration zu überführen.“

  • 30.09.2016, 10:00 – 17:00 Uhr
    Betriebsbesuche | mehr…
  • 30.09.2016, 19:30 Uhr
    SPD Bremserabend im Bürgerkeller | mehr…
  • 01.10.2016, 13:30 Uhr
    Unterfrankentreffen der AG 60plus | mehr…

Alle Termine

An- oder abmelden ganz einfach – mit dem BayernSPD-Konto.

BayernSPD-Konto

Die bayerische Schuldenuhr tickt ohne Pause. Zinsen für die BayernLB:

2.323.038.506 €

  • Pro Tag: 977.621,92 €
  • Pro Stunde: 40.734,25 €
  • Mehr erfahren