Wird der Würzburger Norden zur Modellregion beim Nationalen Wasserdialog?

Fachgespräch in Bergtheim (von links): Eberhard Nuß, Ulrike Lilienbecker, Alois Fischer, Volkmar Halbleib, Georg Rosenthal, Florian Pronold, Konrad Schlier, Manfred Ländner, Peter Wagner, Martina Rottmann und Christoph Schäuble.

10. Oktober 2018

Landtagsabgeordnete, Landrat, Bürgermeister und Fachleute suchen mit Umwelt-Staatssekretär Florian Pronold Lösungen für das Wasserproblem. Im Würzburger Norden sind die drei wichtigsten Herausforderungen beim Thema Wasser die problematische Wasserqualität durch Nitrateintrag, die langandauernde Niederschlagsknappheit und die ansteigenden Sommertemperaturen bei zunehmend intensiver werdenden Obst- und Gemüseanbau.

SPD-Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib (SPD) und Bürgermeister Konrad Schlier, Vorsitzender der Integrierten Ländlichen Entwicklungsgruppe (ILEK) „Würzburger Norden“, nutzten deshalb den Besuch von Florian Pronold (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, um auf die drängenden Wasser-Sorgen der Trockenregion auf der fränkischen Platte deutlich zu machen und um Unterstützung für nachhaltige Lösungen zu werben. Zentraler Schwerpunkt war die Zukunft der bewässerungsintensiven Sonderkulturen, die sich in den letzten 10 Jahren flächenmäßig von 500 auf deutlich über 1000 Hektar mehr als verdoppelt hat.

Mit dabei waren neben Halbleibs Landtagskollegen Georg Rosenthal (SPD) und Manfred Ländner (CSU), Bürgermeister der Allianzgemeinden, Landrat Eberhard Nuß sowie Dr. Wolfgang Patzwahl und Ulrike Lilienbecker als Fachberater der Allianz.

Zusammenhänge deutlich gemacht

Schnell wurde im Gespräch deutlich, dass die Themen Wasserverbrauch, Grundwasserneubildung und Trinkwasserqualität eng mit der Bodenbeschaffenheit und der Bodennutzung sowie mit den Artenschutzbelangen der Region verknüpft sind. So hat die Veränderung der Kulturlandschaft beispielsweise Auswirkungen auf die bundesweit einzigartige Hamsterpopulation, so Schlier. Auch die elf Biogasanlagen und die daraus resultierenden Maismonokulturen blieben nicht folgenlos für Boden- und Wasserqualität, so ein Teilnehmer.

Als Konsequenz aus all dem befasst sich die ILEK seit einiger Zeit mit einem Konzept zum Niedrigwassermanagement und zur Regelung des Wasserverbrauchs. Um eine zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten, so Schlier, müssten die Interessen aller Beteiligten abgewogen und in Ausgleich gebracht werden. Hauptthema müsse sein, so Halbleib, die vorhandenen Wassermengen effektiver zu nutzen und ein öffentliches Wassermanagement durchzusetzen, das das Grundwasser schützt. Für den Agrarexperten Dr. Wolfgang Patzwahl ist wichtig, durch Mischkulturen und dauerhafte Begrünung sowohl den Wasserbedarf als auch die Bodenerosion zu reduzieren.

Herausforderung Klimawandel

Staatssekretär Florian Pronold lobte die Region ausdrücklich für ihr ganzheitliches Vorgehen. Es helfe nicht, einer Gruppe oder einer Nutzung den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern man müsse sich gemeinsam den Herausforderungen des Klimawandels und der Wasserarmut stellen. „Wir müssen jetzt entschlossen die Herausforderungen beim Wasser annehmen, das gilt bundesweit wie auch regional.“, zeigte sich Pronold überzeugt.

Bundesweit werde sein Ministerium noch in diesem Jahr einen nationalen Wasserdialog starten, der Wasserkonflikte analysieren und Lösungen erarbeiten soll. Die Region Würzburger Norden mit den dort bereits begonnenen gemeinsamen Anstrengungen, habe durchaus Modellcharakter. Er könne sich daher vorstellen, die Region dabei zu unterstützen, so Pronold, zunächst einmal beim Lösungskonzept und später dann möglicherweise auch in der Umsetzung. Damit könnte der Würzburger Norden auch bundesweit eine Vorreiterrolle spielen für die Anpassung der Wasser- und Bodenbewirtschaftung an die Herausforderungen des Klimawandels.