Ein Schritt in die richtige Richtung - neuer Lehrstuhl an der Uni Würzburg

Uni Würzburg erhält neuen Lehrstuhl

07. August 2019

Einen neuen Lehrstuhl für „Sehbehindertenpädagogik mit allgemeiner Heil- und Sonderpädagogik“ bekommt die Julius-Maximilian-Universität Würzburg. Besetzt werden kann der zusätzliche Lehrstuhl im Bereich der Sonderpädagogik möglicherweise bereits ab dem Wintersemester 2019/2020, im Idealfall ab 1. Oktober 2019.

Die Mittel für die 4,5 neuen Planstellen des Lehrstuhls wurden mit Beschluss des Nachtragshaushaltes 2018 bereitgestellt. Den Ausbau des Studiengangs regelt die neue Zielvereinbarung des Freistaates mit der Uni Würzburg für die Jahre 2019 bis 2022. Diese sieht vor, dass der neue Lehrstuhl in Würzburg zum Wintersemester 2020/21 mit 30 zusätzlichen Studienplätzen kapazitätswirksam wird. Im Endausbau, so der Plan der Staatsregierung, soll im Freistaat, eine Steigerung der Sonderpädagogik-Studienplätze von 50 Prozent erreicht werden, im Vergleich zum Wintersemester 2018/2019, als es 527 Zulassungen gab.

Förderlehrer werden gebraucht

Parallel zu Würzburg wird auch in München und Regensburg die Sonderpädagogik verstärkt. Hintergrund ist, daa ausgebildete Förderlehrer, so zeigt die aktuelle Schülerprognose 2019, zunehmend mehr benötigt werden, für die steigende Zahl an Schüler in den Förderzentren wie für die Umsetzung der Inklusion an den allgemeinbildenden Schulen.

Mit dem Aufbau der Sehbehinderten- und Blindenpädagogik in Würzburg verbessert sich das Studienangebot im Bereich Sonderpädagogik bayernweit. Bisher konnte man diese sonderpädagogische Fachrichtung an keiner bayerischen Universität studieren. Thematisiert hatte dies bereits im Oktober 2016 meine Landtagskollegin, die SPD-Abgeordnete Ruth Müller, in einer Landtags-Anfrage. Damals hatte die Staatsregierung das Fehlen dieser Fachrichtung mit dem geringen Bedarf begründet. Ich freue mich, dass jetzt ein Gesinnungswandel eingetreten ist.

Mehr Kinder mit föderpädagogischem Bedarf

Nach meiner Einschätzung steigt mit der zunehmenden Zahl an Kindern mit sonderpädagogischem Bedarf an bayerischen Schulen aber auch der Bedarf an Sehbehindertenpädagogik an. Bayernweit stieg beispielsweise die Zahl der Schüler mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ in den Jahren 2011 bis 2016 von 6.570 auf 8.127 In Unterfranken wurden im Schuljahr 2015/2016 8.236 Schüler in folgenden Förderschwerpunkten der Sonderpädagogik unterrichtet: Lernen 3372, geistige Entwicklung 1160, Sprache 986, emotionale und soziale Entwicklung 767, körperliche und motorische Entwicklung 415, Hören 314, 240 Sehen und ohne zugeordneten Förderschwerpunkt 982.

Ein Konzept für die wohnortnahe inklusive Schullaufbahn fehlt

Die Entwicklung in der Sonderpädagogik für Würzburg ist auf jeden Fall gut für die Uni Würzburg und ein Schritt in die richtige Richtung. Im Sinne der vor zehn Jahren beschlossenen Behindertenrechtskonvention fehlt allerdings noch ein Konzept wie der sonder-, sozial- und heilpädagogische, pflegerische und psychologische Sachverstand im Rahmen multiprofessioneller Teams in allen Schularten und als Aufgabe des gesamten Schulsystems umgesetzt werden kann. Das Fehlen einer wohnortnahen, inklusiven Schullaufbahn ist in Bayern nach wie vor ein großer Mangel: Da müssen wir noch deutlich vorankommen.

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