Staatsregierung setzt bei Pleichach und Kürnach auf Regen statt auf Handeln

20. Dezember 2019

Die besorgniserregende Wasserknappheit der Pleichach war für den SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib dringender Anlass, um mehr Informationen über das teilweise ausgetrocknete Fließgewässer und den Wasserhaushalt im erweiterten Einzugsbereich von Pleichach und Kürnach zu erhalten. Deshalb hatte Halbleib eine umfangreiche schriftliche Landtagsanfrage an die Staatsregierung gestellt, die in Erfahrung bringen sollte, ob die Staatsregierung einen Zusammenhang zwischen Niedrigwasserstand und einer verstärkten Wasserentnahme sieht, wie der Gewässerzustand bewertet wird und welche Maßnahmen für eine Verbesserung des Gewässerzustands vorgesehen sind.

Die Antwort der Staatsregierung ist für den Abgeordneten allerdings ernüchternd und enttäuschend: „Weder hat die Staatsregierung aussagekräftige Informationen über den Zusammenhang von zunehmender Wasserentnahme und Niedrigwasserstand noch wurden konkrete Maßnahmen benannt, mit denen der Wasserknappheit begegnet werden soll.“ Einerseits schließe die Staatsregierung nicht aus, dass die zunehmende Wasserentnahme einen Einfluss auf die Wassermenge von Pleichach und Kürnach hat, andererseits werde dieser Zusammenhang aber lediglich als „nicht wesentlich“ bezeichnet.

Für Halbleib eine unverständliche und widersprüchliche Beurteilung der Situation, denn nach seiner Einschätzung „werden damit die Auswirkungen der massiven Wasserentnahmen für Bewässerung und Brauchwasser im Oberlauf der Pleichach schlichtweg verniedlicht.“ Immerhin wurde an einzelnen Brunnen die Wasserentnahme sogar intensiviert, so wurde 2018 teilweise mehr als dreimal so viel Wasser im Vergleich zum Vorjahr entnommen. „Dies ist ein Angriff auf den Wasserhaushalt im Würzburger Norden, der nicht nur Auswirkungen auf das Grundwasser, sondern auch auf Fließgewässer wie die Pleichach hat.“

Dass die Staatsregierung die Bedeutung der Wasserentnahme für den Grundwasserspiegel nicht ernstnimmt, zeigt sich für Halbleib auch an den ungenügenden Kontrollen der Wasserentnahme. So seien die Betreiber für die Kontrollen selbst verantwortlich. Die amtliche Überwachung erfolge sogar während der Bewässerungssaison teilweise nur monatlich. Außerdem werde keine zentrale Datenbank zur Erfassung der Anzahl und Ergebnisse der Kontrollen geführt, moniert Halbleib: „Weder gibt es für Wasserentnahmen eine kontinuierliche Kontrolle durch die Behörden, noch eine umfassende Datenerfassung. Die Staatsregierung vertraut in weiten Teilen alleine den Angaben der Betreiber.“

Auch auf die Frage nach den vorgesehenen Maßnahmen der Staatsregierung zur Verbesserung des Gewässerzustands von Pleichach und Kürnach vermisst Halbleib konkretes Handeln. Ein entsprechendes Umsetzungskonzept müsse derzeit erst noch vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg erarbeitet werden. Zwar gebe es bereits seit 2016 ein formelles Moratorium, dass keine neuen Genehmigungen für Wasserentnahmen erteilt werden dürfen, allerdings können für bestehende Genehmigungen Erhöhungen von 5.000 Kubikmeter Wasser zugelassen werden. „Das bestehende Moratorium verhindert leider nicht einmal, dass noch mehr Wasser entnommen wird. Statt konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die die Grundwasserentnahme endlich vernünftig begrenzt, scheint die Staatsregierung darauf zu vertrauen, dass es in Zukunft wieder mehr regnet. Eine im Hinblick auf die Klimaprognosen fahrlässige Strategie.“, so Halbleib.

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