Umbau für den Klimawandel

28. Juni 2021

Welche Rolle Würzburg und Thüngersheim beim Schutz der bayerischen Artenvielfalt spielen

Der Klimawandel macht sich mittlerweile auch in Bayern immer stärker bemerkbar. Dabei sind Städte wie auch der ländliche Raum betroffen, stehen jedoch vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim arbeitet daran, wie in Unterfranken und ganz Bayern klimabedingte Schäden von Pflanzen, Insekten und Tieren abgewandt werden können. Der Ochsenfurter SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib besuchte gemeinsam mit seinen Fraktionskolleginnen Martina Fehlner (Sprecherin für Forstpolitik und Tierschutz) und Ruth Müller (Sprecherin für Landwirtschaft und Bienen) drei Projekte, die sich diesem Ziel widmen. Empfangen wurden die Abgeordneten u.a. von LWG-Präsident Andreas Maier.

In Kooperation mit dem Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung (ZAE) betreibt die LWG das Forschungsprojekt „Klima-Forschungs-Station“, das im Rahmen der Würzburger Landesgartenschau ins Leben gerufen wurde. „Die Folgen des Klimawandels sind in unseren Städten heute schon in Form von höheren Durchschnittstemperaturen und häufigeren Extremwetterereignissen spürbar. An der Klima-Forschungs-Station wird deshalb demonstriert, wie Pflanzen das Stadtklima positiv beeinflussen und dieser Entwicklung entgegenwirken können“, erklärt Maier. Dabei werden Konzepte zur Begrünung von Häuserfassaden erprobt, die einen positiven Effekt auf die Temperatur in der Stadt haben und einen wichtigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten. „Gerade in der Stadt Würzburg haben wir viele Hitze-Hotspots. In Zukunft sollte bei öffentlichen Bauprojekten immer auch geprüft werden, ob eine solche grüne Fassade möglich ist“, so Halbleib.

Besichtigten Konzepte zur Fassadenbegrünung: (v.li.) Ruth Müller, Volkmar Halbleib und Martina Fehlner.
Besichtigten Konzepte zur Fassadenbegrünung: (v.li.) Ruth Müller, Volkmar Halbleib und Martina Fehlner.

Im Obstbauversuchsbetrieb Am Stutel in Thüngersheim konnten die SPD-Abgeordneten begutachten, vor welche Herausforderungen der Erwerbsobstbau durch den Klimawandel gestellt wird. Auch hier werden zunehmende Trockenheit, Spätfrost und Hitze zum Problem, da die Ernte dadurch stark beeinträchtigt oder gar ausfallen kann. Hierfür wird an der LWG an Lösungen geforscht. In Zukunft könnten aber auch neue Obstarten wie Kiwibeeren, Feigen oder Quitten auch in Mainfranken an Bedeutung gewinnen. „Hier am Versuchsbetrieb werden wichtige Erkenntnisse gesammelt, um unsere Flora an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen zu können“, so Fehlner. Die Auswahl des Saatgutes auf Grünflächen und Feldern ist hierbei ebenfalls von besonderer Bedeutung und spielt eine wichtige Rolle für den Lebensraum von Bienen und anderen Insekten. „Durch mehr Bewusstsein bei der Anlage und Pflege von Gärten oder Anbauflächen können wir wertvollen Lebensraum für Hummeln, Bienen und Wildbienen schaffen“, so Müller, die sich den Kampf gegen das Bienensterben und um den Erhalt der natürlichen Lebensräume der Bienen seit vielen Jahren zum Thema im Landtag gemacht hat.

In den Versuchsweinbergen der Lage „Thüngersheimer Scharlachberg“ erprobt die LWG den Weinbau der Zukunft. So wurden hier beispielsweise Reben in langen, quer zum Berg ausgerichteten Reihen gepflanzt, statt wie eigentlich in Franken üblich in steilen Zeilen von oben nach unten. Dadurch entstanden breitere Zeilenabstände und durch die begrünten Wege und Böschungen entstand neuer Raum für mehr Biodiversität. Weiterhin werden in der Weinlage mehr Strukturvielfalt und Lebensräume geschaffen, indem unwirtschaftliche Spitzzeilen mit geeignetem Saatgut zu Blühflächen gestaltet werden, Steinhaufen und Steinriegel angelegt werden und Brachflächen für erdnistende Insekten und Bodenbrüter geschaffen werden. Außerdem wird in der Anlage erforscht, wie einheimische Rebsorten mit zunehmendem Trockenstress umgehen können. Für Halbleib und seine Fraktionskolleginnen ist klar, Mainfranken und ganz Bayern stehen vor großen Veränderungen durch den Klimawandel. „Heiße trockene Sommer sind bereits heute Realität in Mainfranken. Mit diesen Veränderungen müssen wir umgehen lernen, damit Mensch, Natur und Landwirtschaft eine gute Zukunft in der Region haben können“, so Halbleib. Die Arbeit der LWG spiele hierfür eine wichtige Rolle.

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