Wie gelingt der Umstieg?

20. Juli 2021

Damit Menschen vom Auto auf Bus oder Bahn wechseln, ist der Preis nicht alleine ausschlaggebend. Komfort und Vernetzung der Angebote spielen die entscheidende Rolle

Viele Menschen in Mainfranken nutzen jeden Morgen ihr Auto, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Das führt vor allem in Würzburg zu vollen Straßen und Parkplätzen, belastet die Umwelt und sorgt für Diskussionsstoff zwischen Stadt und Land. „Was gewinnen die Menschen durch den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr?“, fragt die Vorsitzende des VCD Mainfranken-Rhön Lore Koerber-Becker. Sie ist mit anderen Experten zu Gast beim digitalen Fachgespräch des SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib. Die Runde diskutiert, welche Anreize geschaffen werden müssen, damit Bus und Bahn auch auf dem Land häufiger genutzt werden. Schließlich seien sie bereits heute meist kostengünstiger, als ein eigener PKW. „Diejenigen, die den ÖPNV nutzen müssen, tun dies ohnehin. Aber diejenigen, die ihn als Alternative nutzen könnten, müssen noch überzeugt werden“, so Halbleib.

Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib begrüßte die Gäste zum virtuellen Fachgespräch
Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib begrüßte die Gäste zum virtuellen Fachgespräch

„Die Öffis müssen unkompliziert und attraktiv sein. Transparente, einfach zu verstehende Tarife sind notwendig, die auch mit Handy-Ticket funktionieren“, fordert Koerber-Becker. Menschen müssen sich an die Nutzung des ÖPNV gewöhnen, davon ist auch der Augsburger SPD-Abgeordnete Harald Güller überzeugt. Er kann Erfahrungswerte aus dem Landkreis Augsburg einbringen. „Wichtig ist uns eine gute Vernetzung zu anderen Verkehrsträgern“, so Güller. Dazu muss an Bahnhöfen und Bushaltestellen die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden. Halbleib fordert: „Wir müssen Mobilitätsdrehscheiben schaffen. Dabei spielen Komfort und Sicherheit eine große Rolle“. Er kennt die Situation am Ochsenfurter Bahnhof. „Dort warten die Fahrgäste dicht gedrängt auf schmalen Bahnsteigen auf ihren Zug und sind Wind und Wetter ausgesetzt. Wenn dann der Zug auch noch überfüllt ist, kann man nicht von einem angenehmen Reisen sprechen“.

Die Vorsitzende des Würzburger SPD Freya Altenhöner benennt die unterschiedlichen Anforderungen an die Verkehrsplanung in verschiedenen Lebenslagen: „Gerade auch auf dem Land führt eine starke Fokussierung des Verkehrs auf das Auto zu Mobilitätsarmut bei denjenigen, die kein Auto lenken können“. Für Altenhöner ist eine gleichberechtigte Teilhabe an Mobilität vor allem eine soziale Frage. Oft sei es schon ein Problem in den nächstgrößeren Ort zu kommen, um dort in den Zug oder Bus zu steigen.

Der Landkreis Würzburg will jetzt mit einer Nahverkehrskonferenz für Verbesserungen sorgen, berichtet die stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer: „Alle Player müssen an einen Tisch. Eine enge Abstimmung mit den Verkehrsverbünden ist gar nicht so einfach“. Sie plädiert dafür, einfach mal mehr auszuprobieren und zu schauen, was funktioniert und was nicht. Zur Ausweitung des Angebots tragen auch Reaktivierungen von Bahnstrecken bei. Die Mainschleifenbahn soll nach jahrelanger touristischer Nutzung ab 2025 auch wieder für eine schnelle Nahverkehrsstrecke zwischen Volkach und Würzburg zur Verfügung stehen. Dr. Wolfgang Schramm vom Förderverein Mainschleifenbahn e.V. weist jedoch darauf hin, dass der Rückbau der letzten Jahrzehnte nicht nur Stecken, sondern auch Bahnhöfe und Infrastruktur getroffen hat. Auch der Sprecher PRO BAHN Unterfranken Ernst Croner betont die Bedeutung der Ertüchtigung der Schnittstellen zwischen Bus, Bahn und Auto.

Mehr Park&Ride-Kapazitäten, Elektroladesäulen und Fahrradstellplätze, da sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig, können an Bahnhöfen und Bushaltestellen echte Verkehrsknotenpunkte schaffen. „Wenn der Umstieg leichtfällt, können wir den Anteil von Zug und Bus bei der Verkehrsnutzung erfolgreich erhöhen“, so Halbleib abschließend.

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